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Ehemalige Militärfläche wird entwickelt

Was tun mit den 140 ha MUNA und Schießplatz und ihrer ganz besonderen militärischen Vergangenheit? Der Stadtratsbeschluss von 2012 nach dem Bekanntwerden des Abzugs der US-Armee lautet: Von der BImA als Eigentümerin ankaufen! Doch während beim Kasernengelände eine Nachnutzung für Wohnen, Dienstleistungen und Kultur auf der Hand liegt, war bei MUNA und Schießplatz lange nicht klar, was hier machbar wäre. Terra incognita sozusagen. Die beiden militärischen Liegenschaften MUNA und Schießplatz sind zwölfmal so groß wie der ERBA-Park, eingezäunt, teilweise stark mit Altlasten belastet, es besteht Kampfmittelverdacht, kilometerlange Gleisanlagen und rund 150 teilweise einsturzgefährdete Gebäude sind vorhanden. Daher können diese Flächen bis heute nicht von der Allgemeinheit betreten werden. Eigentümerin von MUNA und Schießplatz ist die BImA. Um den Kaufpreis zu ermitteln, möchte die BImA von der Stadt wissen, für welchen Zweck die Flächen verwendet werden. Im Städtebau gilt für Neuentwicklungen eindeutig: zuerst bereits genutzte Flächen neu zu entwickeln statt „grüne Wiesen“ zu bebauen. Die Untersuchungen im Kontext der Fortschreibung des Stadtenwicklungskonzeptes ergaben klar einen eklatanten Mangel an nutzbaren Gewerbeflächen als Alternativen für innerstädtische Betriebe oder Betriebserweiterungen. Betriebsverlagerungen von innen nach außen können wiederum dringend benötigtes Wohnbauland im Stadtinneren freigeben, ohne die „grüne Wiese“ erschließen zu müssen. Zwei Dinge waren schnell klar: Nur ein reguläres Bebauungsplanverfahren, das alle Belange unter enger Einbeziehung der Eigentümerin BImA ermittelt und bewertet, wird eine rechtssicher umsetzbare zivile Nachnutzung der Militärbrachen aufzeigen können. Und: Einen zweiten Laubanger will die Stadt nicht haben, sondern energetisch und gestalterisch andere Maßstäbe ansetzen – beispielsweise Dachbegrünung und Regenrückhaltung.

Nichts tun ist keine Alternative

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Bamberg daher 2014 das Bebauungsplanverfahren „Gewerbepark Geisfelder Straße“ begonnen. Es wird von Stadt und Eigentümerin BImA gemeinsam getragen. Ziel ist die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine zivile Nachnutzung des ehem. Munitionsdepots MUNA und des Schießplatzes. Dabei muss gleichzeitig der Bedarf von Bundes- und Landespolizei gesichert werden. In dem Bebauungsplanverfahren ist insbesondere auch die aktive Beteiligung der Behörden und der Öffentlichkeit klar und transparent geregelt. Wichtig: Die automatische Umsetzung oder Genehmigung konkreter Bauvorhaben ist damit nicht verbunden. Mit dem Aufstellungsbeschluss im Jahr 2014 als Beginn des Bebauungsplanverfahrens, erfolgte auch der Start für die Erstellung zahlreicher Gutachten. Und bald zeigte sich, dass man viel zu wenig über das Gebiet wusste. Und: Man muss sehr weit vor den Zaunanlagen von MUNA und Schießplatz anfangen nachzuforschen und Zusammenhänge ermitteln. Hierzu drei Beispiele: Es gilt daher sich selbst immer wieder bewusstzumachen, dass allein ein „Hände weg von MUNA und Schießplatz“ keine Lösung sein kann: Nichts zu tun, ist keine Alternative! Bereits die im Zuge des bisherigen Bebauungsplanverfahrens gewonnenen Erkenntnisse verpflichten zum Handeln. Die Themen Hochwasserschutz und Altlasten müssen in jedem Fall verantwortungsbewusst angegangen werden. Wenn keine weiteren Maßnahmen ergriffen würden, müssten die Bereiche Schießplatz und MUNA eingezäunt und ungenutzt bleiben. Eine Einbeziehung in den heute zugänglichen Bereich des Hauptsmoorwaldes wäre nicht möglich. Im Bereich des Schießplatzes würde zudem das Sandmagerrasenareal aufgrund der Sukzession wieder zuwachsen und damit verschwinden. Diese Fläche würde wieder Wald, wie sie es bis ca. 1950 schon einmal war.

Bebauungsplanverfahren »Gewerbepark Geisfelder Straße«

Soweit muss es nicht kommen. Das Bebauungsplanverfahren „Gewerbepark Geisfelder Straße“ wird von Stadt und Eigentümerin BImA inhaltlich gemeinsam getragen. Es dient der Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine zivile Nachnutzung der militärischen Liegenschaften. Dabei wurde die ursprünglich, eng an dem Stadtentwicklungskonzept orientierte, Konzeption des Bebauungsplanes aus 2015 wesentlich überarbeitet. Nach Gesprächen u. a. mit Forst-, Umwelt-, Wasser- und Schifffahrtsbehörden, Umweltverbänden sowie der Regierung von Oberfranken war klar, dass Veränderungen notwendig sind: Weniger Verkehrs- und Bauflächen, ein Teil des Schießplatzes als neues Naturschutzgebiet, Retentionsmaßnahmen von der Dachbegrünung bis zu Wasserrückhaltebecken. Das aktuelle Konzept 2018 sieht daher auch nur einen Teil der gesamten Bebauungsplanfläche mit rund 57 ha für eine gewerbliche Nutzung vor, wobei hiervon bereits heute über 9 ha z. B. im Bereich der Gutenbergestraße so genutzt werden. Der mit ca. 115 ha größte Teil, darunter ein mit rund 14 ha neues, dann zweitgrößtes Naturschutzgebiet in Bamberg, soll Wald bzw. Naturschutzgebiet bleiben oder werden. Damit würde das ehemalige US-Gelände zum ersten Mal auch für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar.

  1. Armeestraße: 7.500 Fahrzeuge fahren pro Tag auf der Armeestraße, kein Fuß- oder Radweg, keine Querungshilfe für die Sport- und Erholungssuchenden im Hauptsmoorwald oder dem nahen Reitverein, kein Lärmschutz für die Anwohner und die Kleingartenanlage Amselfang.
  2. Sendelbach: Umfangreiche hydrologische Untersuchungen des Sendelbachs, dessen Einzugsgebiet bis zum Geisberg reicht, zeigen, dass bei Starkregen über 10 m³/sec durch die MUNA rauschen können, das Zehnfache vom Fischpass auf der ERBA. Durch Entwässerungsgräben, den Bahndamm und die Verlegung des Sendelbachs im Zuge des Baus des Main-Donau-Kanals können die Forchheimer Straße, die Gutenbergstraße und die Kleingartenanlage Sendelbach sowie Teile des Gebietes westlich der Armeestraße unter Wasser stehen. Das Umspannwerk Süd ist gefährdet. Erfahrungen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass es sich dabei keineswegs um rein theoretische Annahmen handelt. Es drohen Schäden an öffentlichen und privaten Anlagen. Auch die Grundwasserbrunnen rund um das Wasserwerk liegen in dem Gefährdungsbereich.
  3. Altlasten: Ausgerechnet das bestehende Naturschutzgebiet MUNA diente jahrzehntelang zum Verklappen und Abfackeln von Munition, der Schießplatz mit seinen hochwertigen Sandmagerrasen ist extrem stark mit Schwermetallen belastet, kein Schäfer geht auf die Fläche, das Mähgut ist Sondermüll. Man muss wissen: Das ehemalige Tanklager auf der MUNA, Werkstattgebäude und einige Dutzend Bunker, jeder angelegt für 15.000 bis 60.0000 kg Munition, liegen innerhalb oder knapp neben der Grenze des Wasserschutzgebietes. Zudem gibt es für Teilbereiche keine genauen Kenntnisse über Art und Anzahl der früher dort gelagerten Munition und Waffen.