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Ökologische Ausgleichsflächen als Chance

Es ist gesetzlich geregelt, dass für Eingriffe in Natur und Landschaft durch bauliche Maßnahmen ein adäquater Ausgleich geschaffen werden muss. Wird beispielsweise durch die Anlage einer Gewerbefläche eine artenreiche Wiese überbaut, muss anderenorts ein gleichwertiger Lebensraum entstehen, beziehungsweise ein bestehender Naturraum durch geeignete Maßnahmen aufgewertet werden. Wie die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Ausgleichsmaßnahme aussehen kann, zeigt das Beispiel der Baumaßnahmen auf dem Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau.

Der bauliche Eingriff war notwendig geworden, um die zivile Nachnutzung des ehemals militärisch genutzten Flugplatzes entsprechend den Vorgaben Luftfahrtrechts zu gewährleisten. Dazu musste die Startund Landebahn um 8,5 Meter verbreitert werden, wobei auch rund 1,2 ha Sandmagerrasen mit ihrer speziellen Flora und Fauna komplett verloren gingen. Um ökologischen Ausgleich zu schaffen, wurde im ersten Schritt eine sogenannte „Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung“ (saP) sowie eine vegetationskundliche Untersuchung zur Abgrenzung geschützter Lebensräume nach dem geltenden Naturschutzrecht vorgenommen, um das ökologische Potenzial der Fläche quantitativ und qualitativ zu erfassen. Auf dieser Grundlage folgte im nächsten Schritt die Erarbeitung eines „Landschaftspflegerischen Begleitplans“ (LBP). Das Ziel des LBP war, für den Verlust der artenreichen Sandmagerrasen und deren charakteristische Bewohner einen angemessenen Ausgleich zu schaffen. Dabei erfordert der Ausgleich von Sandmagerrasen aufgrund der ökologisch hohen Wertigkeit natürlich mehr Fläche als die Kompensation einer „normalen“ Grünfläche. Letztendlich wurden Flächen zur Neuschaffung von Sandmagerrasen ausgewählt, die nachweislich anthropogen überformt waren. Dazu wurde zunächst der nährstoffreiche Oberboden abgeschoben, der zur Verbreiterung der Start- und Landebahn genutzt wurde. Auf den abgeschobenen Ausgleichsflächen wurde Sand ausgebracht, welcher ansonsten unter der verbreiterten Start- und Landebahn versiegelt worden wäre. Schließlich wurde das Areal mit ortsentnommenem Heudrusch (Mahdgut mit keimfähigen Samen) angesät. Dieses Saatgut wurde zuvor unter fachlicher Betreuung an zwei Terminen während eines Jahres auf mehreren ausgewählten Flächen des Flugplatzes gewonnen.

Besonders wertvolle Sandmagerrasenflächen, die im Rahmen der Baumaßnahme verloren gegangen wären, wurden zudem als Sodenpakete auf die entstehende Ausgleichsfläche verpflanzt. Bereits im folgenden Jahr konnte man erkennen, dass die so versetzte Pflanzendecke gut angewachsen war.

Eine gezielte ökologische Aufwertung stellte auch die Neuanlage wechselfeuchter Geländemulden (siehe Bild oben) in lehmigen Bereichen dar. Hier finden seltene, an Sandböden gebundene Amphibien, wie etwa die stark gefährdete Kreuzkröte, einen geeigneten Lebensraum.
Schließlich wurde im LBP auch festgelegt, ausgewählte Bereiche des Flugplatzes zur Bekämpfung des konkurrenzstarken Landreitgrases zugunsten von Sandmagerrasen jährlich zu bestimmten Zeitpunkten zu fräsen.

Neben Ausgleichsmaßnahmen wurde im LBP auch festgesetzt, dass während der Baumaßnahmen eine ökologische Baubegleitung zur Umsetzung des LBP erfolgen muss. So wurde gewährleistet, dass wertvolle Vegetationsbestände auch während der Baumaßnahmen erhalten geblieben sind. Unter Berücksichtigung von Pflanzen und Tieren wurden Baumaßnahmen in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Bamberg nur zu bestimmten Zeiten durchgeführt. Zudem beinhaltet der LBP einen Pflegeplan der Ausgleichsflächen für einen Zeitraum von 20 Jahren, wobei die jährlich anfallenden Kosten (Beispiel Sonderlandeplatz: 10.000 Euro/Jahr) vom Bauträger erstattet werden. Seit 2014 wird die Vegetationsentwicklung auf allen Ausgleichsflächen kontinuierlich dokumentiert. Heute steht fest, dass sich alle Ausgleichsflächen erfolgreich in die geplante Zielrichtung entwickelt haben. Insgesamt wurden 2,6 ha Sandmagerrasen neu geschaffen, auf 9.000 m² wurden wechselfeuchte Geländemulden angelegt und auf 3 ha wird Landreitgras zugunsten von Sandmagerrasen bekämpft. Aufgrund der Kostenregelung sind auch unvorhergesehene Maßnahmen kurzfristig möglich, z. B. die Entfernung unerwünschter Arten (z. B. Distel) oder im Jahr 2014 die Nachsaat von unbewachsenen Bereichen. Gleichwohl Baumaßnahmen mit einem Verlust an naturnahen Flächen verbunden sind, so birgt der vorgeschriebene Ausgleich, sorgfältig ausgeführt, auch Chancen, wie z .B. einen vom Bauträger finanzierten Bodenaustausch, eine gezielte Ansaat, eine Bodenverbesserung oder kontinuierliche Pflegemaßnahmen. Der Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau ist hierfür beispielgebend und kann daher als Vorbild dienen, wie ökologische und ökonomische Belange gleichermaßen Berücksichtigung finden können.