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Platzgestaltung Heumarkt

Geschichte des Heumarkts

Wie alle im Bereich des Überschwemmungsgebiets der Insel liegenden Teile der Stadt, war der Heumarkt früher ursprünglich im wesentlichen ein See.

Die erste Stadtmauer Bambergs verlief in diesem Bereich von Süden her durch den Bereich des Burgershofes kommend, im Bereich des heutigen Heumarktes nach Osten abknickend weiter in die heutige Fleischstraße hinein. Die Außenwand des Jesuitenkollegs zur Fleischstraße markiert noch heute den Verlauf der Mauer ebenso wie der alte Turm im Burgershof.

Auf dem Zweidlerplan zeigt der Heumarkt bereits seine heutige Ausdehnung. Allerdings ist als Relikt des vor der ersten Stadtmauer liegenden Grabens noch ein Bachlauf vorhanden, der ebenfalls auf dem Heumarkt abknickt.

Wie die Bezeichnung widerspiegelt, bestand die Bedeutung des Platzes in der Funktion des Handelsortes für Heu. Also eine wichtige, zentrale Handelsfunktion.

Lage in der heutigen Innenstadt

Seitdem der Heuhandel seine Bedeutung für die Mobilität der Menschen verloren hat, befindet sich der Heumarkt innerhalb der Bamberger Innenstadt in einer typischen City-Randlage. Dadurch hat sich die Bausubstanz des Pflasters wie der umgebenden Bebauung sehr gut erhalten, was heute eine enorme Chance für den Platz bedeutet.

Wenn es - angestoßen durch die Aufstellung eines Kunstwerkes von Weltrang - gelingt, den Heumarkt aufzuwerten, kommt dies unmittelbar der gesamten Bamberger Innenstadt zugute.

Auch die Umgestaltung der Austraße und der nördlichen Promenade sind erfolgreiche Beispiele zur dauerhaften Aufwertung von City-Randlagen.

Städtebauliche Rahmenbedingungen

Der innerstädtische Standort der Universität Bamberg hat erfreulicherweise in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Damit einher ging sowohl die Sanierung zahlreicher wertvoller Gebäude als auch eine spürbare Belebung von Teilen der Innenstadt.

Die Stärkung der Universität in diesem Bereich findet in der Errichtung der "Teilbibliothek IV" im Burgershof ihre Fortsetzung. Diese Baumaßnahme begann 2001.

Am Ende wird nicht alleine eine Bibliothek erstanden sein, sondern es wird eine völlig neue attraktive Fußgängerachse mitten durch das Universitätsgelände vom Kranen bis zum Heumarkt führen.

Hierdurch erhält der Heumarkt parallel zur Austraße eine zweite, ganz direkte und ansprechend gestaltete Anbindung an wichtige Fußgängerströme. Das bietet für den Heumarkt in den nächsten Jahren erhebliche Spielräume zur Attraktivitätsverbesserung.

Hinzu kommt der Abbruch des Autohauses an der Westseite des Platzes. Durch die neuerrichtete Wohnbebauung an dieser Stelle wird der Heumarkt durch zusätzliche Bewohner im Herzen der Stadt weiter belebt.

Grundzüge der Platzgestaltung

Als Arbeitsgrundlage für die Neugestaltungsplanung wurden zunächst alle historischen und technisch-infrastrukturellen Rahmenbedingungen des Heumarkts erfasst, zusammengetragen und aufbereitet. Auf dieser Basis und vor dem Hintergrund der dargestellten Potentiale und Chancen des Platzes hat eine Arbeitsgruppe aus den Bereichen Universität, Staatliche Bauverwaltung, Denkmalpflege, Kunst und Stadtverwaltung das Gestaltungskonzept des ersten Bauabschnitts für den Heumarkt entwickelt.

Ziel war es dabei zum einen, den würdigen Rahmen für die Botero-Skulptur "Liegende Frau mit Frucht" zu schaffen. Zum anderen wurden die Belange des Verkehrs, der Bewohner, der Universität, der Behinderten, der Stadtgestaltung gewürdigt und auch die finanziellen Möglichkeiten eingebunden.

Platzoberfläche

Die heutige Platzoberfläche besteht aus Pflaster aus Basalt-, Granit- und Kalksteinen. Durch Richtungswechsel und Rinnen wird eine lebendige Platzoberfläche geschaffen, die weiter keiner Gestaltung bedarf. Das Pflaster wurde daher lediglich in traditionell handwerklicher Weise ausgebessert und ergänzt bzw. wird in den nächsten Jahren noch weiter ausgebessert werden.

Im Einmündungsbereich der Stangsstraße ist ein leichter Rückbau des Asphalts zugunsten der gepflasterten Fläche vorgesehen. Dieser wird aber erst ausgeführt, wenn die umfassenden Baumaßnahme im Bereich der Universität zum Abschluss gelangt sind.

Im Kreuzungsbereich Fleischstraße, Frauenstraße und Heumarkt wurde mittels eines durchgezogenen Bordsteines die Abgrenzung zwischen Fleischstraße und Verkehrsberuhigtem Bereich markiert.

Zur gezielten Verbesserung der Begehbarkeit sind in enger Abstimmung mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt Bamberg sowohl im Süden als auch im Westen des Platzes Bereiche vorgesehen, in denen Streifen mit ebenen Steinen eingebracht wurden bzw. in den nächsten Jahren noch eingebracht werden. Dadurch wird der Platz auch für Behinderte in jeder Richtung erschlossen.

Standort der Skulptur

Die "Liegende Frau mit Frucht" wurde im Schwerpunkt des Platzes aufgestellt. Dieser befindet sich in der westlichen Mitte des Platzes. Damit bildet die Skulptur zugleich den Schlusspunkt der neuen Achse vom Kranen zum Heumarkt.

Die Skulptur ruht auf einem 70cm hohen Natursteinsockel. Kopf und Arme weisen dabei nach Osten, während die Füße nach Westen zeigen.

Durch die Aufstellung dieser Skulptur erfuhr der Heumarkt eine erhebliche Aufwertung.

Verkehrsführung

Durch den Neubau der Teilbibliothek IV der Universität im Bereich des Burgershofes fielen in diesem Bereich bereits ab Sommer 2001 etwa 50 Stellplätze der Universität dauerhaft weg, so dass sich das Verkehrsaufkommen im Süden des Platzes reduziert hat. Durch die Verlagerung des Autohauses und die neue Tiefgaragenzufahrt vom Holzmarkt reduziert sich der Verkehr auch im Westen des Platzes. Durch die Neuordnung des ruhenden Verkehrs reduziert sich zudem der Parksuchverkehr.

Dies alles zusammen ermöglichte es, den gesamten Platz als Verkehrsberuhigten Bereich auszuweisen. Dies bedeutet eine Steigerung der Aufenthaltsqualität und damit eine wesentliche Aufwertung des Platzes.

Ein Befahren mit großen Lieferfahrzeugen, insbesondere von der Fleischstraße her, blieb möglich. Dies war notwendig, weil große Fahrzeuge die Gebäudezeile auf dem Heumarkt nicht auf der Nordseite umfahren können.

Ruhender Verkehr

Um den Platz für die Innenstadt wieder mit Leben zu erfüllen, um die notwendigen behindertengerechten Belagsstreifen auszubilden und um den Blick auf die Skulptur zu ermöglichen, wurde der ruhende Verkehr völlig neu geordnet.

Das Weltkulturerbe ist zu seiner Erhaltung auf Anwohner angewiesen. Daher kann es einen völlig autofreien Heumarkt nicht geben. Insgesamt wurden fünfzehn reine Anwohnerparkplätze ausgewiesen. Zugleich wurde wegen des erheblichen Nachfrageüberhangs beim Anwohnerparken die Mischnutzung zugunsten der Anwohner am Heumarkt aufgegeben und am Holzmarkt zugunsten reiner Anwohnerparkplätze reduziert. Zusätzlich wurden am Markusplatz weitere Anwohnerstellplätze ausgewiesen.

Die Fahrradständer wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls neu angeordnet, ebenso der Behindertenstellplatz und der vorhandene Arztstellplatz. Stellflächen für motorisierte Zweiräder wurden gezielt geschaffen.

Die Neuordnung des ruhenden Verkehrs bewirkt eine enorme Aufwertung des Platzes.

Als Nebeneffekt bedeutet der Abbau von Kurzzeitparkplätzen zugleich eine Auslastungsverbesserung der Tiefgaragen Georgendamm und Mußstraße und damit auch eine wirtschaftliche Stärkung der Stadtwerke Bamberg GmbH. In diesem Zusammenhang muss gesehen werden, dass die Stadt sich im Rahmen der Städtebauförderung für die Tiefgarage Mußstraße verpflichtet hat, im nordwestlichen Bereich der Innenstadt umfassend ebenerdige Stellplätze abzubauen.

Weitere Aufwertungen

Durch die Ausweisung als Verkehrsberuhigter Bereich konnte der Heumarkt praktisch vollständig von störenden Verkehrszeichen befreit werden. Sogar die Litfaßsäule wurde abgebaut.

Im Neubau an der Westseite soll ein Café mit Freischankfläche auf dem Heumarkt eingerichtet werden. Der Platz wird von dieser Seite zusätzlich belebt. Zusätzlich hilft die Existenz einer Freischankfläche den Charakter der reinen Aufenthaltsfunktion des westlichen Platzbereichs zu betonen.