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28.09.2018

Volkshochschule eröffnet Herbstsemester: Festvortrag und Ausstellung

Seit 1946 gibt es in Bamberg die Volkshochschule. Seit 30 Jahren hat die Bildungsstätte ihre Heimat im Alten E-Werk. Dieses Jubiläum sowie das Jahresthema „25 Jahre Welterbe Bamberg“ bildeten die Klammern für die Semestereröffnung am Dienstagabend im vollbesetzten großen Saal.

In seiner Eröffnungsrede erinnerte Bürgermeister Dr. Christian Lange daran, dass die VHS noch immer die zum Teil dramatische Vorgeschichte des unter Denkmalschutz stehenden Industriedenkmals atmet: die Jahre des Protests, des Ringens, des Umdenkens und der Vision sind übergegangen in einen Ort des Lernens, der Diskussion, der Kultur, der Tradition und der Zukunft, der Generationen und Nationen – in einen Ort des Miteinanders. In diesem Haus bewege sich die VHS im Spannungsfeld zwischen Bewahren und In-die-Zukunft-Führen. Die VHS sei gut im kulturellen Gesamtgefüge der Stadt verankert und mache gleichzeitig Bildungsschätze in Stadt und Region zum Thema – etwa das Welterbejubiläum oder das europäische Kulturjahr 2018.

Wie VHS-Leiterin Dr. Anna Scherbaum betonte, stehen die Institute der Erwachsenenbildung in der Pflicht, angesichts übermächtiger und globaler Probleme auch das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus zu rücken. „Es geht in der VHS seit vielen Jahren nicht mehr nur um das Auswendiglernen. Unser Kursangebot setzt auf die Befähigung zum vorausschauenden Denken und zur werteorientierten Entscheidungsfindung“, so Dr. Scherbaum. Das Themenspektrum reiche von Stadtentwicklung, Klimawandel, Migration und Flucht bis zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt. „Wir erhoffen uns, konkrete Anstöße zur globalen Gerechtigkeit zu erhalten und zu geben“, betonte die VHS-Leiterin. Sie wies auch auf die Foto-Ausstellung „Wie alles begann“ hin, die bis 24. Oktober 2018 im Alten E-Werk zu den Öffnungszeiten zu sehen. Die Ausstellung bringe die legendäre Besetzung des E-Werks aufs Tapet, die im Februar 1981 stattfand – und die nach 24 Stunden aufgelöst wurde. Sie zeige, wie ein langsames Umdenken hinsichtlich des E-Werks, das ein Denkmal des Architekten Hans Erlwein war, die Stadtgesellschaft bewegte. „Wir sagen unseren Kollegen im Stadtarchiv, die die Ausstellung mitentwickelten und produzierten, herzlich Danke“, sagte Dr. Scherbaum.

Zurück in die Vergangenheit blickte dann auch Professor Dr. Günter Dippold in seinem Festvortrag „Erlweins Eltwerk und die Folgen: Von Stromerzeugung zur städtischen VHS – Die langsame Wende zum Denkmalerhalt in Bamberg“. Sein Vortrag betrachtete den Architekten Erlwein, den Bau, die Besetzung und Umnutzung. 1983 stimmt der Stadtrat der Nutzung des E-Werkes zur städtischen Volkshochschule zu. 1985 kann die Finanzierung der Sanierung durch ein Sonderprogramm der Bundesregierung gestemmt werden: „Gefördert werden Baudenkmäler, die ihre ursprüngliche Nutzung verloren haben, und eine neue sinnvolle, dem Denkmal entgegenkommende Funktion finden.“ Im März 1986 ist Baubeginn, im September 1988 wird die VHS im Alten E-Werk eingeweiht.

Neben dem E-Werk ging Dippold auch auf andere Beispiele der Denkmalpflege in Bamberg ein – etwas das Stadtarchiv oder die Theatergassen. Er erläuterte auch das Erwachen eines denkmalpflegerischen Bewusstseins am Beispiel von markanten Gebäuden wie dem Haus zum Marienbild am Kaulberg.

Das „Trio LADYSSIMO mit Stil und Klangappeal“, bestehend aus Alexandra Eyrich, Elisabeth Merklein und Sonja Zillig, gestaltete den Eröffnungsabend musikalisch aus. Offizieller Semesterstart ist am 1. Oktober. Anmeldungen sind auch während des laufenden Semesters jederzeit möglich. Gerne berät das VHS-Team auch persönlich.