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14.03.2019

Abbiegeassistent für mehr Verkehrssicherheit: Positive Erfahrungen aus dem Praxistest

EBB rüstet zwei Großfahrzeuge mit Kamera-/Detektorensystem aus und erntet für sein eigenverantwortliches Vorgehen Lob

Aus der Praxis für die Praxis – es ist eine Eigenentwicklung eines Lebensmittel-Logistikers, die der Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) ausfindig gemacht hat und nun den eigenen Fuhrpark möglichst rasch mit diesem System nachrüsten will. Damit soll das Sicherheitsrisiko für Fußgänger und Fahrradfahrer durch den „toten Winkel“ erheblich reduziert werden. Die Vorführung zur Sitzung des Bau- und Werksenats am 13. März überzeugte den Stadtrat: „Eine sehr beeindruckende Erfahrung, die schwierigen Arbeitsbedingungen der EBB-Lkw-Fahrer selbst erleben zu können und ein tolles System, das hilft, Unfälle beim Abbiegevorgang zu vermeiden“ – so der allgemeine Tenor.

Die Auswertung der amtlichen Unfallstatistik der Jahre 2013 mit 2017 für das Stadtgebiet Bamberg verzeichnet 11 Unfälle zwischen abbiegendem LKW und Radfahrer bzw. Fußgänger, davon 2014 und 2015 jeweils einer mit Todesfolge – übersehen von meist rechts abbiegenden Lastkraftwagen, da außerhalb des Sichtfeldes des Fahrers. Selbst die vorgeschriebenen Spiegel für die indirekte Sicht – Weitwinkel-, Front- und Nahbereichsspiegel – decken die Gefahrenbereiche vor, genau hinter sowie rechts und links neben einem Großfahrzeug nur unbefriedigend ab. Objekte und Menschen wirken verzerrt und zu klein, in Bewegung sind sie nur schwer zu erkennen. Jeder Abbiegevorgang eines Lkw ist somit ein anspruchsvolles Fahrmanöver. Es gilt nicht nur die schweren Maschinen zu bewegen, sondern zugleich alle Spiegel, Straße und Geh- und Radweg im Auge zu behalten und das auch bei widrigen Witterungsverhältnissen. Abbiegeassistenzsysteme stellen hier einen Sicherheitsgewinn dar, ersetzen aber nicht gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr, vorausschauendes und defensives Fahren sowie Verständnis für die Schwierigkeiten und Fehler der anderen Verkehrsteilnehmer.

Umfassende Nachrüstung vorgesehen

Das vom EBB getestete und für die umfassende Nachrüstung vorgesehene Sicherheitspaket ist ein ausgereiftes System, das zusätzlich preisgünstig ist. Samt Einbau in der eigenen Werkstatt fallen rund 1.500 Euro pro Fahrzeug an. Bestehend aus Seitenmarkierungsleuchten auf gesamter Fahrzeuglänge, die beim Abbiegen blinken, ist es eine Kamera samt Monitor sowie Ultraschallsensoren, die akustische Signale auslösen und so Abbiegeunfälle künftig vermeiden helfen. Thomas Beese, Baureferent und Technischer Werkleiter, dankte im Rahmen der Präsentation allen EBB-Mitarbeitern, die „stets verantwortungsbewusst in unseren engen Straßen unterwegs sind“. Mit Hilfe der Nachrüstung des Assistenzsystems, das auf hohe Akzeptanz bei den eingesetzten Fahrern trifft, wird die Verkehrs- und Rechtssicherheit gesteigert. Der Aufwand dafür ist, gemessen an den Anschaffungskosten der Nutzfahrzeuge in einer Größenordnung von 230.000 Euro aufwärts, verschwindend gering. „Wir wollen unseren Beitrag zur Sicherheit leisten“, so der zuständige EBB-Abteilungsleiter für den Fuhrpark, Florian Probst. Man sehe sich dabei in einer Art Vorbildfunktion und werde zeitnah weitere etwa 30 geeignete Fahrzeuge nachrüsten. Der Stadtrat wiederum sprach sich zusätzlich für eine entsprechende Anregung etwa für den Bereich des städtischen Busbetriebes und der ortsansässigen Privatunternehmer aus.