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14.03.2019

Demokratie und Bildung konkret erfahrbar

VHS startet fränkisch und musikalisch ins Jubiläumsjahr „100 Jahre Bamberger Verfassung von 1919“

Mit einer Premiere ist die Semestereröffnung der Volkshochschule (VHS) Bamberg Stadt im Alten E-Werk am Dienstag über die Bühne gegangen: Die gut 200 Gäste im vollbesetzten Großen Saal unterstützten die beiden Musiker David Saam und Carolin Pruy-Popp von Boxgalopp beim letzten ihrer im schönsten Fränkisch vorgetragenen Lieder und sangen lautstark den Refrain von „Bridschä braad“ mit. Außergewöhnliches für ein besonderes Semester-Fokusthema: „Demokratie in Bayern“ lautet dieses passend im Jubiläumsjahr „100 Jahre Bamberger Verfassung von 1919“.

VHS-Leiterin Dr. Anna Scherbaum stellte eingangs das „wie gewohnt qualitätsvolle und breitgefächerte“ Frühjahrs-Programm vor – mit 779 Kursen, 153 Führungen, 56 Vorträgen und Veranstaltungen sowie 7 Studienfahrten und 2 Studienreisen. „Es erwartet Sie Allgemeinbildung, Weiterbildung, politische Bildung, Gesundheitsbildung, Bildung, um den ganz persönlichen Horizont zu erweitern und Neues zu lernen.“ Dazu passend ziert ein Zitat des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck das neue Programmheft: „Volkshochschulen sind Werkstätten und Lernorte der Demokratie.“ „Wir machen das Zitat konkret erfahrbar und erinnern mit einer Vortragsreihe zum Thema ,100 Jahre Bamberger Verfassung von 1919‘ daran, dass in unserer Stadt die erste demokratische Verfassung des Freistaates Bayern verabschiedet wurde.“ Sie dankte den Kooperationspartnern Stadtarchiv Bamberg, Historischer Verein und der Bayerischen Schlösserverwaltung und insbesondere dem „Spiritus rector“ des städtischen Gesamtprogramms zum Jubiläum, Stadtarchivleiter Horst Gehringer.

Bürgermeister Dr. Christian Lange richtete nach seinem Dank an Dr. Anna Scherbaum und die Fachbereichsleitungen für die Programmauswahl den Blick auf das „Jahr der besonderen Jubiläen“: 70 Jahre Grundgesetz, 30 Jahre Mauerfall, 100 Jahre Volkshochschule in Deutschland und 100 Jahre Bamberger Verfassung. Lange betonte, dass Demokratie leider nicht mehr selbstverständlich sei – weder in Europa noch in Deutschland. Angesichts von Fremdenhass und rechtsextrem-nationalistischen Tendenzen sei es wichtig, daran zu erinnern, dass Demokratie die beste Staatsform sei und von Bamberg aus dafür der Grundstein in Bayern gelegt wurde. Die Teilhabe aller in der Gesellschaft sei herausragender Bestandteil der Demokratie, sagte der Bürgermeister. Er freute sich daher, dass „wir auf dem Weg hin zu einer inklusive Volkshochschule ein gutes Stück vorangekommen sind“. Auf einer bundesweiten Inklusions-Tagung in Stuttgart werde die Bamberger VHS sogar als vorbildlich vorgestellt, so der Bildungsreferent.

Prof. Dr. Martin Ott, Direktor des Instituts für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bamberg und Bayreuth, nahm die Zuhörenden dann mit auf eine Reise durch „Zwei Jahrhunderte Landesgeschichte“. Er erinnerte daran, dass König Ludwig I. das Königreich Bayern 1837/1838 neu geordnet und in acht Kreise eingeteilt hatte. Die Regierbarkeit gleich großer Gebiete stand dabei für den Monarchen im Fokus. So entstand Oberfranken entstand auf dem Gebiet des früheren Obermainkreises ohne Teile der heutigen Oberpfalz.

Beim anschließenden Umtrunk ging es fränkisch weiter: bei Silvaner-Wein aus Unterfranken, Bier, gesponsert von der Bamberger Fässla-Brauerei, und herzhaftem Gebäck tauschten sich die Gäste aus.