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06.02.2019

Laien-Reanimation kann Leben retten

Anlässlich des 10. Europäischen Tages der Notruf-Nummer 112 informiert der ZRF über die telefonisch angeleitete Herz-Druck-Massage

Eine bewusstlose Person atmet nicht mehr - was tun? Im Notfall richtig zu handeln ist nicht einfach. Wer aber mit der 112 einen Notruf absetzt, erhält von Mitarbeitern in den Integrierten Leitstellen (ILS) per Telefon eine genaue Anleitung zur Wiederbelebung - solange bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Wie genau die „T-CPR“, die Telefonisch angeleitete Cardio-Pulmonale Reanimation funktioniert, das erläutern die neue Geschäftsführerin des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bamberg-Forchheim (ZRF), Christine Feldbauer und der Leiter der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim, Matthias Böhmer im Rahmen eines Pressegesprächs.

Wenn in der Integrierten Leitstelle das Telefon klingelt und der Anrufer einen Notfall schildert, stellen sich für die Helfer zwei entscheidende Fragen: Ist die Person bewusstlos? Atmet sie noch? Tut sie das nicht, müssen die Disponenten in der Leitstelle handeln - und zwar schnell. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dann um einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Der Ersthelfer vor Ort muss den Bewusstlosen sofort wiederbeleben - die Disponenten geben dabei am Telefon genaue Anweisungen für eine Herz-Druck-Massage. Gleichzeitig wird ein Rettungsteam alarmiert und macht sich auf den Weg. Bei der Telefonreanimation wird der Ablauf ganz detailliert beschrieben, von der Feststellung des Zustands des Opfers über die richtige Position des Helfenden bis hin zum Bewegungsablauf und dem Rhythmus. Somit können auch Ungeübte eine Reanimation unter Anleitung durchführen. Die Profis in der Leitstelle stehen während der ganzen Zeit dem Helfer zur Seite und nehmen durch ihre ruhige Art dem Ersthelfer vor Ort die Nervosität, die in einer solchen Situation nur allzu natürlich ist.

Der schnelle Einstieg in die Herz-Druck-Massage ist bei einem Kreislaufversagen sehr wichtig. Sie erhöht die Chancen des Opfers zu überleben, sie sorgt auch dafür, dass Schäden des Hirns, die durch eine Unterversorgung entstehen könnten, reduziert oder vermieden werden („time is brain“). Eine Faustregel besagt, dass pro Minute ohne adäquate Hilfe ca. 10 Prozent der Hirnsubstanz unwiederbringlichen Schaden erleiden, so dass in etwa nach 10 Minuten eine vollständige Schädigung eingetreten ist.

Die „T-CPR“ wurde 2013 in Bayern eingeführt und kommt seitdem ca. 120 Mal pro Jahr im Zweckverbandsgebiet (Stadt und Landkreis Bamberg, Landkreis Forchheim) zur Anwendung. Jedermann ist zur Hilfeleistung im Rahmen seiner Fähigkeiten verpflichtet. Durch die telefonische Anleitung werden auch ungeübte oder verunsicherte Personen dabei unterstützt, gezielt zu helfen. „Solche Notsituationen sind für Laien schwierig. Aber niemand muss Angst davor haben. Unsere Disponenten sind da, um ihnen in solchen Momenten jedwede Hilfestellung zu geben“, betont Feldbauer. Für die „T-CPR“ wurde ein passgenauer Leitfaden entwickelt, der nicht nur die wesentlichen Fragen vorgebe, sondern auch vereinfachte Begriffe für medizinische Laien enthalte. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den integrierten Leitstellen können so optimal durch das Gespräch und die Reanimation führen“, bekräftigt Christine Feldbauer.

Europäischer Notruftag:

Am 11.2.2019 jährt sich der Europäische Notruftag zum 10. Mal. Seit Dezember 2008 sind die Notrufdienste aus allen Fest- und Mobilfunknetzen überall in der Europäischen Union gebührenfrei unter der einheitlichen Notrufnummer 112 erreichbar. Doch nur knapp die Hälfte (48 %) der EU-Bürger wissen, dass sie über die Nummer überall in der EU kostenfrei einen Notruf absetzen können. Das Datum 11.2. wurde wegen der Ziffernfolge ausgewählt, um auf die einheitliche Notrufnummer 112 in ganz Europa hinzuweisen.