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09.08.2018

26 radeln über Berg und Tal zum Villacher Kirchtag

14-tägige Bürgerradtour führte über Meran und Brixen in die Partnerstadt / Großer Empfang im Congress-Center

Keine Frage, der Beifall im Congress-Center Villach war verdient. Er galt den 26 Bambergerinnen und Bambergern, die keine Strapazen scheuten, um den langen Weg von Füssen in die Partnerstadt auf dem Rad zu meistern. Die Bilanz liest sich so: Knapp 700 Kilometer und rund 10.000 Höhenmeter waren zum Teil in großer Hitze zu absolvieren, um am 75. Kirchtag und der Feier zum 45. Partnerschaftsjubiläum von Bamberg und Villach teilnehmen zu können.

Zum Verständnis: Wie bei den Radtouren in den Jahren zuvor – Villach zum Beispiel war bereits vor fünf Jahren das Ziel gewesen – handelte es sich nicht um eine ausgesprochene Sportveranstaltung. Es waren vielmehr Bürger von der Stadt Bamberg eingeladen, gemeinsam zur Partnerstadt zu radeln – Fitness und Radkenntnisse vorausgesetzt.

Der Fitness-Test war gleich am Anfang der Tour zu absolvieren. Vom Startpunkt Füssen aus ging es auf dem Radweg „Via Claudia Augusta“ dem Fernpass auf knapp 1300 Meter Höhe entgegen. Dabei wurde jedem deutlich, dass es vorbei war mit fränkischen Verhältnissen, denn nahezu unzählig waren die Kehren, die bergauf führten. Nicht minder wuchtig war tagsdrauf der Anstieg auf den Reschenpass auf 1500 Meter Höhe. Heruntergebrochen auf fränkische Verhältnisse hieß das, den Tiefenellener Berg mal vier zu nehmen, so zumindest das Gefühl…Lohn der Mühen war das Abrollen nach Meran und ein Tag Pause in einer Stadt, in der die k.u.k.-Donaumonarchie deutlich sichtbare Spuren hinterlassen hat. Vom Lech zum Inn und weiter zur Etsch: Südlichstes Ziel war Rovere della Luna an der Grenze von Südtirol und Trentino, zugleich deutsch-italienische Sprachgrenze.

Zu der Stadt mit langer Weinbau-Tradition unterhält Bamberg freundschaftliche Beziehungen. Das Band knüpfte Carl Josef Bronzetti aus Rovere della Luna, ab 1818 als Offizier des königlich-bayerischen Heeres jahrelang in Bamberg stationiert und mit einer Bambergerin liiert, die er denn auch heiratete. Beim Empfang ging Oberbürgermeister Andreas Starke auf die Familie Bronzetti ein, die gezeigt habe, wie gut das Zusammenleben zweier unterschiedlicher Nationen funktionieren kann. Luca Ferrari, Bürgermeister von Rovere della Luna, wies auf ein zweites Band hin: Bronzettis Tochter Elisabeth heiratete Freiherr Ernst von Lerchenfeld. Eine Lerchenfeld war auch Nina, die den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Jakobskirche heiratete. Vereinbart wurde mit den Gastgebern ein Wiedersehen in Bamberg, spätestens beim Weltkulturerbelauf 2019. Zurück zum Weg nach Villach: Über das Eisacktal ging es über Brixen ins Pustertal Richtung Sillian, wo die Drau steter Wegbegleiter bis nach Villach wurde.

Über Spittal und den Millstätter See wurde schließlich das Ziel erreicht. „Der Kirchtag in Villach, das ist wie Sandkirchweih und Rosenmontag zusammen“, hatte Oberbürgermeister Andreas Starke bei der Verabschiedung der Radgruppe am Bamberger Bahnhof geschwärmt. Das zu überprüfen, dazu blieben den nun konditionell topfiten Radlern drei Tage Zeit. Doch vorher wurde es noch einmal hochoffiziell: 45. Partnerschaftsjubiläum, 75. Kirchtag – das verlangte nach einem Festakt, zu dem die Stadt Villach ins Congress-Center bat. Der Bamberger OB befand, dass die Partnerschaft mit Villach unter allen Städtepartnerschaften dank engagierter Bürger „einen herausragenden Rang“ einnimmt. Eine gute Idee sei es, dem Schüleraustausch mit der Schulpartnerschaft zwischen dem Perau-Gymnasium in Villach und dem Franz-Ludwig-Gymnasium in Bamberg einen Impuls zu geben. Er wie sein Villacher Amtskollege Günther Albel erklärten, weiter am Haus Europa bauen zu wollen. Dieses Bekenntnis sei wichtig in einer Zeit, in der, so Bürgermeister Albel, „Europa mit Füßen getreten“ werde. Dokumentiert wurde der denkwürdige Tag durch die Unterschriftensammlung im Ehrenbuch der Stadt Villach – zu verstehen als Willensbekundung der Unterzeichnenden, an der Partnerschaft mitzuwirken.

Der Villacher Kirchtag

…firmiert als größtes Brauchtumsfest Österreichs. Tatsächlich pilgern die Fans aus allen Teilen Österreichs nach Villach. Gekleidet sind sie, egal ob Männlein oder Weiblein, ob Jung oder Alt, in Tracht. Das wirkt nicht aufgesetzt, sondern authentisch. Bedingt durch die Lage im Dreiländereck von Österreich, Italien und Slowenien kommen viele Gäste aus dem Ausland hinzu. Befeuert wird der Kirchtag durch vielfältige Spielarten der Blasmusik, dargeboten auf einer großen und etlichen kleinen Bühnen. Zum Kirchtag gehören weiterhin ein weitläufiger Vergnügungspark inmitten der Stadt und eine große Bühne, in der vornehmlich die Jugend „abfeiert“ – ebenso in Tracht, wohlgemerkt. Ein Highlight ist der Kirchtag-Samstag mit dem Festzug, an dem Bamberger Abordnungen teilnahmen, darunter die vielbejubelte Radgruppe. Den Bambergern drängte sich der Vergleich mit der Sandkerwa auf. Wesentlicher Unterschied: Es ist ein Fest in der ganzen Stadt, keine Stadtteil-Kerwa wie in Bamberg. Und: Die Villacher scheuen sich nicht, am Samstag satte elf Euro Eintritt zu nehmen.

Die Radgruppe kehrte um viele Eindrücke reicher und mit strammen Waden in die Heimat zurück. Wichtigstes Detail in der Bilanz: Alle blieben gesund und munter, woran sicher die souveräne Leistung des Helfer-Teams mit Bertram Weißhaar, Sören Wölm, Bernhard Gonska und Franz Uzelino großen Anteil hat.